Spuren

Leben sichtbar machen - Tagebücher

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Wie leben wir? Was tun wir den lieben langen Tag? Worüber denken wir nach, was fühlen wir? Diese Fragen stellen wir uns gerade alle, weil sich so vieles im Alltag geändert hat. Ich weiß nicht, wie es euch geht - ich war schon immer neugierig auf das Leben anderer Menschen. Nicht nur heute. Wie sah das früher aus? Welche Spuren hat jeder Einzelne hinterlassen?


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Zu allen Zeiten haben Menschen ihr Leben festgehalten. Für sich. Für andere. Privat. Oder als Zeitzeugen. Heute machen wir es auf Instagram, bei Facebook, in Blogs. Seht her, so lebe ich! Das bin ich! Das sind wir!

Instagram hieß früher Tagebuch. Man schrieb sich alles von der Seele, hielt schöne Momente fest, ließ andere lesen. Das ergibt zusammen einen Chor, der den Klang der Zeit festhält. Seit mehr als hundert Jahren werden auch Film-Tagebücher geführt.

Schriftsteller*innen und Filmemacher*innen haben daraus eigene Sichtweisen entwickelt: Sie sammeln Texte, Bilder und Filmausschnitte, um daraus eine Collage aus Bildern und Worten entstehen zu lassen.

Screenshot aus dem Film Human. Foto: Youtube.


Ein wunderbares Beispiel für so ein kollektives Tagebuch der Welt ist der Film Human von Yann Arthus-Bertrand.

Der Schriftsteller Walter Kempowski liebte Tagebücher! In seinem Haus in Nartum bei Bremen, Haus Kreienhoop, war der ausgebaute Dachboden gefüllt mit endlosen Reihen von Regalen mit Tagebüchern und Fotostapeln. Er hatte ständig ein oder mehrere Befragungsprojekte. Wer ihm begegnete, musste die aktuellen Fragen beantworten, er schrieb mit. Festhalten. Die Zeit verstehen, indem man die Stimmen der Menschen sichtbar macht. Auf die Frage seiner Mutter, was er denn werden wolle, antwortete er mit neun Jahren: "Archiv!"


"Ärger hab ich wenig gehabt, und den Rest merkt man sich selten." (Buchhändlerin, Jahrgang 1948) Foto: privat.

Das ist ihm gelungen. Es gibt zahlreiche kollektive Tagebücher von ihm, das Echolot ist das größte seiner Projekte. Die gesammelten Tagebücher sind von Nartum nach Rostock, in seine Heimatstadt, umgezogen.

Kempowskis Tagebuch-Projekte. Foto: Archiv Haus Kreienhoop.


Wie ist das bei euch? Schreibt ihr Tagebuch? Manchmal? Auf Reisen? Wenn ihr traurig seit? Jetzt? Schreibt gerne einen Kommentar!

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