Memories

Erinnerungen

Bild von Congerdesign auf Pixabay. Der passende Song. :-)
 
Bücher sind nicht nur Bücher. Sie öffnen Türen in bislang nicht gekannte Welten. Sie bringen uns näher an unsere Gefühle. Und manches Buch ist etwas ganz besonderes für uns, weil es die Erinnerung an eine bestimmte Zeit in unserem Leben wach ruft.

Meine Mutter zum Beispiel ist 1935 geboren. Vier Jahre später starb ihr Vater als Soldat in Frankreich. Meine Oma konnte mit ihrer Schwester, einer guten Freundin und den drei kleinen Töchtern mit dem letzten Zug, der nach Westen fuhr, aus Pommern, dem heutigen Polen, fliehen. Das einzige Spielzeug, das die kleine Ingrid mitnehmen konnte, war eine Zelluloid-Puppe, die ihr Vater ihr aus dem fernen Frankreich in einem Fronturlaub mitgebracht hatte.

Foto: privat. Way back in time - 1941 in Pommern.

Die Frauen und Mädchen meiner Familie fanden dann eine Bleibe bei einem Bauern in der Nordheide, in Luhdorf. Eine enge Dachkammer, das Bett mit den Schwestern teilen. Aber auch: Endlich wieder satt werden! Die Bäuerin verteilte dicke Scheiben frischen Brotes, ebenso dick mit Butter bestrichen und mit Zucker bestreut. Eine alte Zinkbadewanne wurde zu einem Boot für die drei Schwestern, mit dem sie auf der Luhe, dem kleinen Bach, in See stachen. Das Leben wurde wieder leicht und fröhlich!

Und es gab wieder Bücher! Das erste Buch, das sie damals als Geschenk erhielt, wurde sorgsam aufgehoben. Stellt euch mal vor! Ein Buch konnte damals ein sehr wertvoller Besitz sein! Genau dieses Buch steht bei mir im Bücherregal. Es erinnert mich daran, was meine Mutter alles erlebt hat, dass sie ein Kind war, das wenig besaß und trotzdem lebendig war und sich die Freude nicht nehmen ließ.

Foto: privat. So sahen Bücher um 1950 herum aus.

Die Schriftstellerin Emma Gündel ist übrigens im April 1889 hier in Hamburg geboren! Sie hat eine ganze Reihe von Geschichten über ihre Heldin Elke geschrieben - als ich das Buch meiner Mutter auf dem Dachboden in einer Kiste mit Erinnerungen aus der Nachkriegszeit fand, habe ich begonnen, die anderen aus der Reihe zu sammeln. Und nicht nur die. ;-)

Foto: privat. Kindheitsschätze!

Eines meiner Bücher, das ich immer wieder in die Hand nehme, ist Narziß und Goldmund von Hermann Hesse. (Dazu gibt es sogar eine recht aktuelle Verfilmung.) Zur Konfirmation schenkte eine meiner Tanten mir eine Sonderausgabe seiner Romane. Lehrerin! Typisch, immer auf dem Bildungstrip! Ich dankte höflich und dachte: Was für'n Mist! Bis ich zu lesen begann...
 Aber wie machst du das nur, 
daß du mir immer wieder Worte sagst 
oder Fragen stellst, 
die in mich hineinleuchten und 
mich mir selbst klarmachen?
Hermann Hesse
Die Geschichte von Narziß und Goldmund spielt zum Teil in Zeiten der großen Pest - es hat Schriftsteller:innen oft interessiert, wie Menschen sich verhalten, wenn das Leben schwieriger und bedrohlicher wird.

Foto: privat. Konfirmationsgeschenk von meiner Tante. Eine Lehrerin!

Und nun zu euch:

Wie war das bei euren Eltern, Großeltern, Tanten, Onkeln, Freunden... - welche Erinnerungen haben sie an die Bücher ihrer eigenen Kindheit?
Befragt sie mal dazu! Und schreibt die Antworten gerne als Kommentar unter diesen Beitrag!
Gab es ein Lieblingsbuch?
Haben sie das aufgehoben?
Eine besondere Geschichte, in der ein Buch eine Rolle spielte?
Wurde vorgelesen?
Wie sah das aus, wo fand das statt?
Hatten sie einen Lieblingsplatz fürs Lesen?
Wie ist es bei euch?

Lasst die Geschichten weiter leben! 
Sie sind das Herz eurer Familie.


Bild von Congerdesign auf Pixabay.

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